Was sind eigentlich Babyzeichen und wie können sie die Kommunikation im Alltag mit deinem Baby unterstützen? Eine Mama berichtet über ihre Erlebnisse.

Babyzeichen ???

Hast du schon mal was von Babyzeichen, Babygebärden oder Babyzeichensprache gehört? Nein? Dann bist du nicht alleine.

Leider sind in Deutschland Babyzeichen als Kommunikationsmethode noch immer recht unbekannt. Ich hatte das große Glück, vor mehr als 15 Jahren in Seattle/USA, erleben zu dürfen, wie viel es einem Kind bedeutet, sich durch Zeichen verstänlich zu machen, wenn es noch nicht sprechen kann.

Diese Erfahrung hat mich viele Jahre nicht losgelassen. So sehr sogar, dass ich manche Zeichen erfolgreich in meinem späteren Fremdsprachenunterricht benutzte.

Als meine Tochter 2014 in Oxford/UK zur Welt kam, stand für mich daher von Anfang fest, das umfangreiche Angebot an Baby Signing Classes vor Ort in Anspruch zu nehmen, was wunderbar klappte!

Die Zeichen hatten den Alltag mit unserer Kleinen damals wirklich sehr erleichtert. Ohne großes Rumrätseln, wusste wir in vielen Situationen immer recht schnell, was sie gerade brauchte oder wollte.

 

Kinder
 
Was sind Babyzeichen?

Durch einfache Gebärden wie „mehr“, „nochmal“ oder „fertig“, können Babys und Kleinkinder uns Großen mitteilen, was sie möchten bzw. wahrnehmen („Bus“, „Ente“, „laut“, „Aua“).

Babyzeichen Schmetterling
Babyzeichen für Schmetterling

Diese Eigenbefähigung macht den Kleinen nicht nur Spaß, sondern hilft nach wissenschaftlichen Erkenntnissen dabei, die Bindung zwischen Eltern und Kind zu intensivieren.

Kinder

 

Zeichenbrücke Ansatz

Zurück in Deutschland, in Berlin, um genau zu sein, war ich dann sehr überrascht, dass kaum jemand hier etwas von dieser wundervollen Kommunikationsmethode wusste. Begeistert waren jedoch immer alle, wenn unsere Kleine mit 15 Monaten auf ihren Zeichenwortschatz zurückgriff, der damals an die 30-40 Zeichen aufwies.

Noch in Elternzeit und mit der Lust nach einer beruflichen Veränderung, entstand daher die Idee für Zeichenbrücke. Ich packte die Kenntnisse aus meinem sprachwissenschaftlichen Studium (Deutsch als Fremdsprache & Anglistik) und meine Erfahrung aus der pädagogischen Arbeit mit Kindern zusammen und entwickelte 2017 in Berlin meinen Zeichenbrücke-Ansatz.

Seitdem habe ich viele Eltern und ihre Babys kennenlernen dürfen und eine Frage höre ich immer wieder:

„Funktioniert das wirklich?“

 

Meine Antwort ist dann immer ein eindeutiges JA!!!

Warum das so ist? Nun ja, unsere Sprache kommt nicht von ungefähr, sondern ist Teil der menschlichen Entwicklung. Bevor wir als Spezies Mensch sprechen konnten, kommunizierten wir vorwiegend durch Mimik, Gestik und einzelne Laute.

Seitdem sind wir in unserer sprachlichen Entwicklung weit gekommen. Soweit sogar, dass Wissenschaftler in den sechziger Jahren Menschenaffen einfache Gebärden zur Kommunkiation beibrachten. Du glaubst mir nicht? Dann erfahre hier mehr über Washoe, Coco & Co.

Zeichen in der Familienkommunikation

Fast alle Babys übernehmen von sich aus und ganz natürlich die Gestik ihrer nächsten Bezugspersonen, um sich ihnen mitzuteilen. Je nach Kulturkreis ist heutzutage der non-verbale Austausch durch Mimik & Gestik mehr oder weniger Bestandteil der Familienkommunikation.

In Deutschland sind z.B. diese Zeichen weit verbreitet:

  • Sich zufrieden den Bauch zu reiben, wenn etwas gut schmeckt.
  • Die Arme auszustrecken, um hochgenommen zu werden.
  • In die Hände klatschen, um Freude zu zeigen.
  • Mit dem Zeigefinger auf etwas deuten („Da!“) oder das Winken zum Begrüßen und Abschied.
Warum benutzen Babys diese Zeichen?

Weil wir Eltern sie ganz unbewusst und natürlich in der alltäglichen Kommunikation mit unseren Kindern verwenden.

Wenn man immer wieder einem Baby die ausgestreckten Arme hinhält, es zusätzlich fragt, ob es hochgenommen werden möchte und dies dann auch tut, ist es nicht verwunderlich, wenn ein Baby irgendwann auch selber anfängt seine Arme auzustrecken, um das gleiche Ziel zu erreichen.

Unsere Kleinen können im Alter von neun, zwölf oder fünfzehn Monaten vielleicht noch nicht sprechen, doch beginnen sie bereits mit sechs Monaten, die Welt und die Worte um sie herum kognitiv zu verstehen.

Bietet man Babys ab diesem Entwicklungsstadium und darüber hinaus regelmäßig und ohne Zwang einfache Handzeichen in Kombination mit Sprache an, dann geschieht irgendwann etwas Besonderes. Die Kleinen verstehen, dass sie sich mit den Zeichen ausdrücken können und werden sehr kreativ in der neugefundenen Selbstwirksamkeit.

Wann das genau geschieht, ist allerdings von Kind zu Kind sehr unterschiedlich. Jede Familie macht da ihre eigenen Erfahrungen. Ich freue mich deshalb immer total, wenn ich Mails von Kursteilnehmern erhalte, die über ihre Zeichenerfahrungen berichten.

Im nächsten Teil kommen daher Nele & Anton zu Wort, die meinen Babyzeichen Kurs im wunderschönen Familienzetrum Zwergenland im Prenzlauer Berg besuchten.

Viel Spaß beim Lesen!

Liebe Grüße, Alex von Zeichenbrücke

Kinder

 

Hallo Alex,
wir sind jetzt seit drei Monaten dabei und zurzeit ist Anton (Name geändert) abends kaum zu bändigen. Er liegt im Bett und anstatt zu schlafen, übt er offenbar alle möglichen Zeichen. Das geht total durcheinander und ineinander über…

Er probiert die Drehung der Hand, spreizt die Hand, zeigt Flugzeug, tippt das Flugzeug an den Kopf, klopft auf den Kopf, tippt ans Handgelenk, zeigt das Zeichen für „Aua“, formt daraus ein Dach… Dazu wird munter gebrabbelt und kommentiert. Ich könnte mich echt immer kaputtlachen, es ist so witzig.

Durchbruch in der Zeichenkommunikation

Jedenfalls gab es jetzt schon drei Situationen, die ich als Durchbruch in unserer Zeichenkommunikation bezeichnen würde, und ich bin so begeistert, dass ich dir schnell davon berichten mag.

  • Anton rief mich gestern ins Zimmer, wo er windelfrei spielte, während ich schon das Bett vorbereitete. Ich kam und fragte und zeigte „Was ist denn los?“. Anton schaute bedröppelt. Ihm war unwohl und er zeigte das Babyzeichen für „nass“ und zeigte auf die entsprechende Stelle. Tatsache, da hatte er hingepinkelt! Ich war vielleicht begeistert!
  • Dann zeigte er mir heute die Geste für Flugzeug (seit wir in der Einflugschneise wohnen, mehrmals täglich) und DAZU die Geste für „hören“, denn wir konnten es nicht sehen! Er hörte also das Flugzeug. Toll, oder?
  • Und dann, jetzt halt dich fest, vorhin am Tisch im Kinderstuhl, rutscht er unruhig herum, quängelt, wie so oft, wenn er fertig ist und runter will. Ich frage, „Was ist los? Willst du raus?“ Einer Eingebung folgend fragte ich auch noch: „Hast du Aua?“ Und damit lag ich richtig. Er zeigt das Babyzeichen „Aua“, tippt auf die Stelle am Tisch und da sehe ich, dass er zu nah dran geschoben war und das Bein eingeklemmt war. Exakt an der Stelle, die er am Tisch gezeigt hat. Und Anton war auch froh, dass ich ihn verstanden hatte, helfen konnte und dass er dann gemütlich weiter sitzen konnte.

Die Durststrecken haben sich gelohnt!

Ich muss sagen, ich habe auch echt Durststrecken durchgehalten. Sehr lange habe ich die Babyzeichen vorgeturnt, immer wieder, ohne Reaktion. Oft habe ich aufgeben wollen und war traurig, weil ich vielleicht falsch lag, und das nichts für meinen Sohn ist. Aber ich habe nicht aufgegeben. Es lag mir was dran. Ich war nicht verkniffen, aber ich bin drangeblieben. Und nun zeigt sich, das hat sich gelohnt. Ich bin immer so ambitioniert gewesen und habe lange kaum Resonanz bekommen. Das ist jetzt gerade wie eine Oase für mich.

Jetzt kommt der Punkt, wo die Babyzeichen nicht einfach mehr nur Spaß machen, was schon für sich genommen ein Pluspunkt ist, sondern unheimlich nützlich in der Kommunikation sind.

Anton zeigt das Babyzeichen für Pferd.

Anton war ein Jahr alt, als wir deinen Zeichenbrücke-Kurs begonnen haben. Da er zweisprachig aufwächst, mit je einem Elternteil pro Sprache und Deutsch als gemeinsamer Hauptsprache, hielt ich auch deshalb die Zeichen als Brücke zwischen den Sprachen für nützlich.

Im Alter von einem Jahr fing Anton an, mit dem Zeigefinger zu zeigen und zu winken. Bis dato konnte er nicht klatschen. Ich denke, er war feinmotorisch ein bisschen hinterher. Ich kann nur mutmaßen, warum es letztlich mit den Zeichen so lange gedauert hat.

Die Babyzeichen sprudeln nur so heraus.

Mittlerweile, Anton ist nun am Ende des Kurses 15 Monate alt, sprudeln jeden Tag neue Zeichen aus ihm heraus. Immer wieder bin ich über seine Wendungen überrascht.
Kürzlich zeigte er „Ei“, was ich mit Flugzeug verwechselte. Schließlich stellte ich fest, er wollte das Rührei essen, was auf dem Tisch stand. Ich war nur schwer von Begriff gewesen. Woher kann mein Kind von dem Hühnerei auf das Rührei schließen? Ich halte das für eine recht komplexe Übertragung.

Anton erzählz mit seinen Händen was er im Bilderbuch sieht.
Anton erzählt mit seinen Händen,
was er im Bilderbuch sieht.

Individualität – Babyzeichen wandeln sich

Was ich ebenfalls bemerkt habe ist, dass sich Babyzeichen wandeln und dass das Kind eigene Zeichen erfindet. Auf das Zeichen für Trinken verzichtet Anton zurzeit, er macht stattdessen Schlürfgeräusche. Das Zeichen für Essen geht momentan mit Zunge rausstrecken und mit dem Finger tippen.

Weiterhin tue ich mich schwer, manche Zeichen zu deuten. „Heiß“ ist mit der ganzen Hand und ausgestreckten Fingern an den seitlichen Hinterkopf schlagen. „Hase“ ist mit der flachen Hand auf den Oberkopf geklopft, und wie ich schon sagte, liegen „Ei“ und „Flugzeug“ nahe beieinander.

Anton weiß, dass die Straße gefährlich ist. Es bleibt stehen und zeigt das Babyzeichen für Stopp.
Anton weiß, dass die Straße gefährlich ist. Es bleibt stehen und zeigt das Babyzeichen für Stopp.

Ich freue mich in jedem Fall auf den weiteren Input von dir! Es gibt ja zum Glück die Facebookgruppe.

Und wie schon angekündigt, will ich in jedem Fall deinen Anschlusskurs besuchen. Wenn es dann zum Junior geht, werden ganz neue Herausforderungen zu meistern sein.

Was das Schöne an deinem Kurs war, waren eben auch die Exkurse zum altersgerechten Verstehen und Lernen, zu Kommunikation im Allgemeinen, die Literaturtipps, der Austausch über alltägliche Probleme und die Erkenntnis, dass alles mit Liedern und Zeichen mehr Spaß macht.

Ich bin SO froh, dass du Zeichenbrücke ins Leben gerufen hast. Tausend Dank!

Einen schönen Abend und bis bald, Nele


Du möchtest mehr über die Kommunikation mit Babyzeichen erfahren?

Dann komm gerne zu einer Schnupperstunde in einen meiner Babyzeichenkurse in Berlin.

  • Prenzlauer Berg
  • Friedrichshain
  • Steglitz

Die Kursdaten und Anfahrt findest du in der Kursübersicht. 

Kursinhalte auf einen Blick

Für die Babys steht der Spaß im Mittelpunkt.

 

Babyzeichen Kurs

6 – 24 Monate

Verstehen & verstanden werden!

Für die Babys steht der Spaß im Mittelpunkt.

Beim gemeinsamen Singen & Spielen lernen wir neue Babyzeichen kennen und probieren uns an ihnen aus.

Für die Großen steht der Austausch zur kindlichen Entwicklung im Fokus.

 

JUNIOR KURS

18 – 36 Monate

Austausch & Input über Spracherweb & Autonomiephase (Trotzphase)

Wir singen, musizieren, entdecken die Jahreszeiten, hören erste spannende Geschichten und probieren uns beim Malen & Basteln aus.

Babyzeichen unterstützen, trotz erster Worte, weiterhin den Spracherwerb. Denn manche Worte sind oft noch zu schwierig auszusprechen, können aber durch Zeichen gezeigt werden.

 

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